Bericht zum

Workshop Wirtschaftsmathematik an der

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

am 12. November 1999

 

Am 12. November 1999 fand am Fachbereich Mathematik und Informatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ein Workshop zum Studiengang Wirtschaftsmathematik statt, der von Prof. Dr. Wilfried Grecksch organisiert wurde.

Tagesordnung:

1. Eröffnung

2. Diplomstudiengang Wirtschaftsmathematik in Halle (W. Grecksch)

3. Neue Studiengänge zur Wirtschaftsmathematik

3.1. TU Darmstadt (J. Lehn)

3.2. Kath. Universität Eichstätt (R. Ressel)

3.3. LMU München (Informationsmaterial)

4. Wirtschaftswissenschaftliche Probleme für die Wirtschaftsmathematik (Prof. R. Schmidt, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Halle)

5. Öffentlichkeitsarbeit zur Wirtschaftsmathematik

5.1. Darstellung im Netz http://www.wimath.de  (V. Schmidt, Ulm)

5.2. Broschüre zur Wirtschaftsmathematik (K. D. Schmidt, Dresden)

6. Erfahrungsaustausch

6.1. Praktika von Studenten der Wirtschaftsmathematik

6.2. Einsatzfelder der Absolventen

6.3. Interdisziplinäre Lehrveranstaltungen

7. Verschiedenes

 

Zu 2. Anhand der Studienordnung wurde der Diplom-Studiengang Wirtschaftsmathematik in Halle erläutert. Als Besonderheiten im Grundstudium fallen auf, dass bei den mathematischen Fächern neben den üblichen Lehrveranstaltungen zur Analysis und Linearen Algebra/Geometrie sowohl Vorlesungen und Übungen zur Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik als auch zur Numerik, linearen Optimierung und  elementaren computerorientierten Finanzmathematik enthalten sind. In den ersten drei Semestern besuchen die Studierenden in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern VWL und BWL Vorlesungen. Ab dem 4. Semester erfolgt eine Spezialisierung in VWL oder BWL.

Detaillierte Informationen können mittels der Internetadresse http://www.wimath.de/wima.html#Halle erhalten werden.

Zu 3.1. Die Wirtschaftsmathematik in Darmstadt ist eine Spezialisierung im Rahmen des Diplomstudienganges Mathematik, die im Hauptstudium erfolgt. Eine Darmstädter Besonderheit besteht u. a. darin, dass infolge von langjähriger Kooperationsbeziehungen im 3. Studienjahr Studienabschnitte im  Ausland absolviert werden können. Detaillierte Informationen sind und der Internatadresse

http://www.mathematik.tu-darmstadt.de/Math-Net/Dekanat/Studiengaenge/Welcome_de.html

zu erhalten.

Zu 3.2. Besonderheiten der Wirtschaftsmathematik in Eichstätt bestehen u. a. darin, dass anhand eines international angepassten Credit-point-System studienbegleitende Prüfungen erfolgen und ein Betriebspraktikum Pflichtbestandteil des Studiums ist. Detaillierte Informationen können unter der Rubrik Studienpläne über die Internetadresse

http://mathsrv.ku-eichstaett.de/MGF/mathematik/math.html

erhalten werden.

Zu 4. Von Prof. R. Schmidt erfolgten Ausführungen zu den Punkten

·         Wirtschaftswissenschaften und Mathematik in Studiengängen und Berufsfeldern

·         Erkenntnisziele, Problemorientierung und Methodenorientierung

·         Ausgewählte Problemstellungen

Insbesondere wurden Berufsfelder nach Branchen

·         Industrie

·         Verkehr/Logistik

·         Handel/Dienstleistungen

·         Banken und  Bausparkassen

·         Versicherungen

·         Telekommunikation

·         Software

·         Unternehmensberatung/Wirtschaftsprüfung/Steuerberatung

·         Forschungsinstitute

·         Öffentliche Verwaltung/Ministerien/Verbände


nach Funktionen

·         Forschung und Entwicklung

·         Beschaffung/Investition

·         Produktion/Logistik

·         Marketing/Vertrieb

·         Externes Rechnungswesen

·         Controlling

·         Finanzen

·         Personalwesen

·         Organisation

·         Unternehmenskommunikation

und nach Tätigkeiten

·         Analyse

·         Planung

·         Entscheidung

·         Kontrolle

·         Dokumentation

·         Kommunikation

angegeben. Es wurde des weiteren ausgeführt, dass Wirtschaftsmathematiker gezielt bisherige Wirtschaftswissenschaftliche Lösungen hinterfragen und verbessern sollen. Interessante Probleme für Wirtschaftsmathematiker sind u. a.:

·         Mehrziel-Entscheidungen in dezentralen Organisationen

·         Prozesskoordination betreffend mehrere Abteilungen, in denen Teilaufgaben optimiert werden

·         Verbindungen von finanzwirtschaftlichem und versicherungstechnischem Risikomanagement

·         Optimierung des Rendite-Risiko-Verbunds einer Bank

·         Bewertung exotischer Optionen

·         Stillegungs- und Erweiterungsentscheidungen auf Basis des Realoptionsansatzes

·         Lösung von Planungsproblemen unter Verwendung von ganzzahliger Programmierung und/oder Logik

·         Planung von Telekommunikationsnetzwerken

·         Optimale Preispolitik in der Telekommunikation

·         Kapazitäts- und Preispolitik in der Elektrizitätswirtschaft im Rahmen von Deregulierungsprozessen

·         Bestimmung optimaler Werbekampagnen unter Berücksichtigung von Lernen und Vergessen

·         Marktgleichgewichte und –ungleichgewichte im Rahmen verbundener Finanzmärkte

·         Langfristige Prognosen in der Sozialversicherung unter Beachtung der Bevölkerungsentwicklung

 

Zu 5.1. Die Teilnehmer dankten Herrn Prof. V. Schmidt für die ausgezeichnete Darstellung der Wirtschaftsmathematik im Netz. Insbesondere wurde auf die erfolgte Einbeziehung vergleichbarer Studiengänge im Ausland hingewiesen.

 

Zu 5.2. Durch Prof. K. D. Schmidt wurde ein Informationsblatt erarbeitet, das auch an den Arbeitsämtern vorhanden ist.

 

Zu 6. In einer lebhaften und anregenden Debatte wurde deutlich, dass Studenten der Wirtschaftsmathematik unproblematische Praktikumsplätze in Betrieben, Banken, Versicherungen und Öffentlichem Dienst erhalten, die oft zu einer späteren Einstellung nach dem Studium führen. Die im Punkt 4. genannten Einsatzfelder von Wirtschaftsmathematikern bestätigten sich in der Diskussion. Die Absolventen finden schnell nach dem Studium einen Arbeitsplatz. An vielen Einrichtungen finden interdisziplinäre Lehrveranstaltungen statt, die in erster Linie die gezielte Anwendungen der Stochastik und des OR betreffen.

Zu 7. Wie schon auf den Vorgänger-Workshops festgestellt wurde ist ein adäquater englischer Betgriff für Wirtschaftsmathematik nicht vorhanden. Die Begriffe „mathematics and management“ und „business mathematics“ wären u. a.  möglich. Bis Ende Januar sollten die Teilnehmer an Prof. V. Schmidt (Ulm) unter der E-Mail-Anschrift schmidt@mathematik.uni-ulm.de adäquate englische Übersetzungen zuschicken.

Der nächste Workshop findet im Herbst 2000 an der TU Ilmenau statt und wird von Frau Prof. Dr. Silvia Vogel organisiert.

 

 

 

Prof. Dr. W. Grecksch